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Nordic Weekend im Goms

Bähler Lukas 28.11.2016

Es ist bekannt: Das diesjährige Nordic Weekend im Goms, in anderen Jahren der Auftakt in die Loipensaison, viel dem Föhn zum Opfer. Dieser wirkte fast 14 Tage lang und verleitete die ordentlichen Schneemassen von bis zu 50cm, welche 2 Wochen zuvor im Goms liegen geblieben waren, dazu, ihren Aggregatszustand zu ändern und in flüssiger Form das Tal via Rhone zu verlassen. Obwohl, „zum Opfer fallen“ stimmt eigentlich überhaupt nicht. Denn trotz akutem Schneemangel und stetigen Temperaturen zwischen 4 und 9 Grad Celsius, fanden sich 30 NSKler, der Grossteil davon bereits ab Freitag, im Hotel Ahorni in Oberwald ein. Alle waren der gleichen Meinung: Auch der fehlende weisse Unter- und Hintergrund würde einem gemeinsamen zufriedenen Wochenende mit sportlichen Aktivitäten nicht im Wege stehen – und rückblickend war es genauso.

Wir kennen das Goms alle aus dem Winter und sind von den knapp 100km Loipen sicherlich alle angetan. Was der oberste Abschnitt des Walliser Haupttales aber zu bieten hat, wenn der Schnee nicht oder nur äusserst knapp vorhanden ist, davon möchte ich hier mit ein paar Beispielen berichten.

Teil eins: Zugegeben, die erste Trainingseinheit fand noch im Thuner Westamt statt. Da absolvierten 3 RollskiläuferInnen am Freitagmorgen einen etwas längeren Prolog: 36km, Land auf Land ab, von Hani bis Gibliz und von Pohlern bis Allmendingen. Gefreut hat mich insbesondere die Tatsache, dass wir einer wahren Langlauflegende neue attraktive Rollskitrainingsstrecken zeigen konnten und er diese anschliessend mehrfach hoch gelobt hat. Ich bin gespannt, ob er sich künftig, hoffentlich erst nach dem Winter wieder, des Öfteren in diesen Gefilden aufhalten wird. Für alle restlichen Interessierten, hier der Link zu unserer Rollskikarte für das Thuner Westamt: https://drive.google.com/open?id=1paROkjwVv_y4Ma8hIwMGHt0ZC_g

Teil drei: Den zweiten Teil überspringen wir grosszügig, handelte es sich doch „nur“ um eine 30-minütige flache Laufrunde, mehrheitlich entlang der Rhone zwischen Oberwald und Obergesteln. Teil drei hingegen ist eine spannendere Angelegenheit und spielt am Samstag. Schon am Tag zuvor warfen wir einen Blick auf das, was von der Loipe in Ulrichen noch übrig geblieben war. Von eher skeptisch mutierte die Gefühlslage dabei in einen Bereich zwischen durchaus optimistisch und geringfügig trotzig, denn auch was wir am Morgen vorfanden war in vielerlei Hinsicht besser, als was wir erwartet hatten. Rund um das nordische Zentrum lag auf 2.5km noch genügend Schnee, um Langlaufen zu können. So pendelten viele von uns zwischen den beiden Wendepunkten. Am prekärsten war die Schneelage in der Fläche und bei einer Wegquerung. Dort halfen einige Schaufeln Schnee einen ungewollten Steinschliff der Skis zu verhindern. Insgesamt wurden so bis zu 20 Loipenkilometer gesammelt.

Teil vier: Die Ausrüstung hierfür waren wieder die Rollskis, diesmal tlw. auch die klassische Variante. Ab Oberwald führt eine bestens asphaltierte Strasse entlang der Rhone durch Obergesteln, Ulrichen und bis nach Geschinen. Dies praktisch verkehrsfrei, leider auch fast ausschliesslich flach. Was die Topographie nicht hergab, wurde in der Gruppe durch abwechslungsreiche Gespräche ersetzt.

Teil fünf war für mich eine Premiere. Grashockey spielte ich zuvor noch nie. Mit etwas Improvisationsgeist und Erfinderreichtum entstand aus 6 Unihockeystöcken, einem Ball, 4 Torpfosten, einem Rasen und 6 Spielern eine intensive Partie mit Tücken bei der Ballführung und ungewohnten Herausforderungen beim Passspiel. Entschieden wurde das Duell erst mit dem Golden Goal.

Teil sechs: Angedacht war eigentlich nur noch eine lockere Trabrunde, um aus dem intensiven Stop-and-Go-Modus des vorangegangenen fünften Teils zwei Gänge zurückzuschalten und den Motor langsam herunter zu fahren. Dass am Ende erst das Restaurant Rhonequelle auf halbem Weg Richtung Gletsch den Wendepunkt markierte lag wohl daran, dass der Appetit beim Essen kommt, oder wann kann ein Läufer schon eine gesperrte Passstrasse sein Eigen nennen?!

Teil sieben: Für einige wiederholte sich hier Teil drei, tlw. nun sogar noch in der klassischen Technik. Ich nutzte die Freiheit und schnallte mir nochmals die Rollskis an. Auf der nicht mehr für den Flugbetrieb genutzt Asphaltpiste in Ulrichen fand sich eine für GoKart-Rennen markierte Rundstrecke gespickt mit unterschiedlich engen Kurven, ideal um die Linienwahl um und das Beschleunigen aus solchen eingehend zu Optimieren und zu Praktizieren. Zudem begann ich mit dem Tempo zu variieren und absolvierte ein Pyramiden-Intervall. Eine Runde schnell, eine langsam, zwei schnell, eine langsam, drei schnell, eine langsam, und das ganze wieder retour.

Teil acht: Zu guter Letzt wusste ich noch von einem Vita-Parcours, mehr oder weniger entlang der sonst nächtlich beleuchteten Loipe in Ulrichen. Nach 1h war auch dieser absolviert.

Ergänzend sei gesagt, dass sich andere Teilnehmer auf verschiedenen Wanderrouten und Joggingrunden, auf den Inlineskates, mit Rollski auf der gesperrten Passstrasse in Richtung Gletsch oder auch beim Memory mit integrierter Herausforderung zum Kopfrechnen betätigten.

Das alles, inklusive den Fotos, ist Beleg für ein wirklich abwechslungsreiches Wochenende, welches wir zwar ohne die gewünschten Schneemengen, dafür aber mit zahlreichen anderen Aktivitäten ausfüllten. Und das war nur der sportliche Teil. Daneben wären die Essen und das abendliche Beisammensein in stets gut gelaunter Runde schon das Wochenende wert gewesen.

Besten Dank dem Organisationsteam und ein Applaus an die Teilnehmer!

Lukas Bähler