, Jordi Andri

Ein Einblick in meine erste Saison bei den Grossen im Ski-OL

Ende Januar konnte trotz der aktuellen Corona Situation die Europameisterschaft in Bulgarien stattfinden, welches auch mein erster Grossanlass als Eliteläufer war. Begleiter zur Vorfreude war auch immer die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. In der Woche vor der EM kamen die ersten Nachrichten von positiven Coronatest und so kam es, dass sich das Herrenteam bis zur Abreise fast halbierte. Ich wurde glücklicherweise verschont und so reiste ich zusammen mit dem etwas dezimierten Team nach Bulgarien. Wir reisten nur zwei Tagen vor dem ersten Wettkampf an und so war nur wenig Zeit sich an zu klimatisieren. Nach dem Modelevent war klar, dass es sehr ruppige Wettkämpfe werden würden und dies bestätigte sich dann auch im Sprint. Ich hatte ein sehr komisches Gefühl am Start, sehr motiviert, nicht wirklich nervös und hatte keine Ahnung wie ich stand im Vergleich mit der Internationalen Konkurrenz. Ich bin dann gut gestartet, machte jedoch einen grossen Fehler, welcher mir viel Zeit einbüsste und so schloss ich mein erstes Internationales Eliterennen auf dem 33. Rang ab. Es war eine sehr anspruchsvolle Bahn und ein dichteres Spurennetz als erwartet. Mit dieser Leistung reichte es mir leider nicht, einen Startplatz für die Sprintstaffel zu sichern. Somit war mein Fokus weiter auf der Mitteldistanz. Eine sehr interessante Mitteldistanz! Eine schwierige Bahn mit viel Routenwahlen und steilen Auf und Abstiegen. Sehr steil sogar…! Nicht gerade SUVA konform würde ich als Bauarbeiter mal so sagen :-) Rangmässig 34. Zwar schlechter, aber ein viel bessers Renne als am Sprint. Nun folgte noch die Langdistanz als letztes Einzelrennen, welches im Massenstart ausgeführt wurde und seinem Namen auch gerecht wurde mit einer Siegerzeit von 2h 5min. Bei einer angesagten Siegerzeit von 1h 40min. Jahaa etwas verschätz würde ich sagen, aber auch auf die Wetterbedingungen zurückzuführen mit viel Neuschnee und Wind. Mein Rennen startete sehr gut und ich konnte die ersten Posten mit der Spitze meiner Gabelung mitlaufen. Leider wählte ich dann eine schlechte Routenwahl und machte später in einer steilen Abfahrt auch noch Bekanntschaft mit einem Baum. War sehr schmerzhaft und ich fühlte mich nicht in der Lage das Rennen fertig zulaufen. Beim Kartenwechsel, einer Verpflegung und einem kurzen Wortwechsel mit der Coachin entschied ich mich dann doch das Rennen fertig zu laufen. Darauf folgten 90 Minuten von denen ich nicht mehr sehr viel weiss. Ich war nicht mehr wirklich bei der Sache und so beendete ich mein Rennen nach 2h 30min auf dem überraschenden 33. Rang. Durch meine doch soliden Rennen durfte ich die Staffel im ersten Team mit Klubkollege Severin Müller und Teammatador Gion Schnyder laufen. Mit einer soliden Teamleistung konnten wir so den 6. Rang erlaufen. Mit Anbetracht auf das dezimierten Herrenteams durch Corona, waren wir doch zufrieden mit dieser Rangierung und es war ein schöner Abschluss der Europameisterschaft.

Zuhause wurde auch ich nicht verschont und ich hatte ein positiver Coronatest. Das hiess erstmal Pause und etwas zur Ruhe kommen. Glücklicherweise konnte ich mich dank einem guten Recoveryprogamm von unserem Teamarzt, gut ins Training zurück schaffen. Die Nationalen Ski OL Rennen im Jura waren dann meine ersten Intensiven Einheiten nach der Infektion. Ich war schon noch nicht auf dem Level von vorher, aber besser als erwartet. Mit den Resultaten durch die Saison und den Leistungen an der EM in Bulgarien wurde ich für die Weltmeisterschaften Mitte März in Finnland selektioniert und ich bekam die Möglichkeit, bei meinem Saisonhöhepunkt nochmals meine Best mögliche Leistung abliefern zu dürfen.

So startete einen weiteren Vorbereitungsblock auf die WM. Da ich noch kein Student war, durfte ich nicht an der Studenten WM in Tschechien starten und verfolgte diese derweil via GPS und Liveresultaten. Zusammen mit meinem Betreuer entschieden wir uns diverse Langlaufrennen zu absolvieren, als Vorbereitung. So startete ich in den nächsten Wochen am Gsiesertallauf in Italien über 42 km klassisch und 42 km skating. Das klassisch Rennen entschied ich mich durchzustossen, sehr strenges Rennen, aber machte auch sehr Spass. Das Wochenende darauf den Gommerlauf über 21 km skating und eine Woche später noch den Mara ski de fond über 24 km klassisch, welchen ich auch durchgestossen bin. Es war kuul nach einem Jahr ohne Volksrennen wieder an den Start gehe zu dürfen und ich war mehr oder weniger auch zufrieden mit meinen Leistungen.

Mitte März war es soweit und wir reisten an die Weltmeisterschaften in den Norden, nach Finnland in Kemi. Die Nervosität stieg und zwar so richtig, endlich war ich wieder so richtig nervös vor einem Rennen, die Nervosität die ich brauche vor einem wichtigen Rennen. 12h später kam ich ins Ziel und dachte endlich hat es geklappt und war mega Happy. Leider reichte es nicht ganz für den Rang den ich mir unter diesem Gefühl vorstellte, aber in Anbetracht des Zeitrückstands kann ich doch zufrieden sein. In der Analyse erklärte sich dann auch, wieso der Rang noch nicht ganz dort war, wo ich mir dies erwünschte, da sich doch einige kleine Fehler eingeschlichen hatten. Damit schaffte ich mir trotzdem eine gute Ausgangslage für das Verfolgungsrenne am nächsten Tag, welche ich auch nutzte. Nach einem Fehler kurz nach dem Start, brachte ich ein solides Rennen ins Ziel und konnte mich somit vom 33.Rang auf den 22.Rang verbessern. Was völlig überraschend kam, ich rechnete in etwa mit dem gleichen Rang wie am Vortag. Nach einem Tag Pause folgte noch der Middle. Das Selbstvertrauen war nun nach der Verfolgung sicher da und ich wollte die Leistung der Verfolgung unbedingt wiederholen oder sogar verbessern. Ich startete relativ gut und kontrolliert und dies wusste ich auch. Nach dem Überlauf wählte ich leider eine schlechte Route, was ich schon unterwegs merkte. Später passierte mir noch weitere kleine Fehler. Aber ich war physisch und mental sehr bereit an diesem Tag. Mit dem erreichten 27. Rang war ich dann nicht ganz zufrieden, denn ich wusste heute wäre noch deutlich mehr möglich gewesen. Zusammengefasst kann ich auf eine tolle Saison mit vielen neuen Erfahrungen zurückblicken.